Das Leben in einem Camper

Das Leben in einem Camper

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Das Leben in einem Camper haben wir uns immer irgendwie wild-romantisch vorgestellt. Die Idee von absoluter Freiheit, umgeben von Natur, und von gleichgesinnten Menschen hat uns fasziniert.

In Neuseeland war es dann endlich soweit. Unser Traum sollte Wirklichkeit werden. Drei Monate hatten wir einen Camper gemietet und sollten das Leben in einem Camper ausgiebig testen.

Scenic stops
Life in a Camper Van
Scenic stops
Life in a Camper Van

Wie es uns bislang erging und welche Erfahrungen wir als Erstlinge gemacht haben, lest selbst.

Die Anmietung

Einige Monate im Voraus hatten wir unseren Camper bereits gemietet. Unsere Entscheidung fiel auf einen JUCY Chaser. Als Anfänger wollten wir sicherheitshalber eine Dusche und Toilette an Board haben und somit die etwas bequemere Variante. Einen JUCY hatte ich in Deutschland mir bereits mal angeschaut und wollte es gern on the road ausprobieren.

Testing a JUCY in Germany
Testing a JUCY in Germany

Bevor wir in Auckland anreisten, waren wir einen Monat auf Bali gewesen, wo wir es nicht abwarten konnten, dass unser Abenteuer mit dem Camper endlich begann.

Am 05.09.2019 war es dann soweit. Wir kamen mit dem Taxi bei JUCY an und erhielten eine superschnelle Einweisung und die Schlüssel. So schnell hatten wir nie zuvor einen Mietwagen bekommen. Wir hatten keine Fragen, es ging ja alles so schnell und anscheinend war alles auch kinderleicht.

So saßen wir schon in unserem Camper, glücklich, etwas nervös und voller Vorfreude.

James and JUCY
James and JUCY

Erster Akt

Unser Weg führte uns erstmal zu Pak’nSave. Das hatten wir gelesen, der günstigste Supermarkt hieß es.

Wir kauften Nudeln, Reis, Kaffee, Tortillas, eben alles, was man so für ein Camper Leben benötigt.

Stolz brachten wir unsere Einkäufe zu unserem Camper und realisierten wie organisiert man hier auf engem Raum sein muss. Unsere Golftaschen lagen noch am Boden, unsere Backpacks auf den Sitzen.

Wir hatten kaum Platz um auch nur reinzukommen.

Irgendwie konnten wir dann unsere Lebensmittel doch halbwegs verstauen und fuhren los zu unserem ersten Stop, Piha, wo wir uns bei Sonnenschein und Blick aufs Meer einrichteten und unser erstes Essen im Camper hatten: Müsli.

Learning by doing

Der Platz

Die erste Herausforderung war das Verstauen der Sachen. Auch wenn wir kaum Kleidung mit uns haben, die großen Golftaschen nehmen doch viel Platz weg. Insgesamt viermal haben wir während der Reise bereits umgeräumt und es ist immernoch nicht perfekt, aber besser als beim ersten Mal. Mal schauen, ob wir bis zum Ende unserer Reise es schaffen, alles so zu verstauen, dass nichts am Boden rumsteht.

Die erste Nacht

Die nächste Probe kam gleich mit der ersten Nacht. Wie macht man das Bett? Auch das ging relativ schnell, so dass wir stolz auf Instagram zeigen konnten, wie einfach das ist.

Doch was war los mit diesem Licht? Wir fanden zwei Schalter. Einen für das Licht draußen an der Tür, und einen für das Bad. An der Konsole, wo sich vier Hebel befanden (Licht, Wasser, Kühlschrank, ACC), konnte man das Licht ein- und ausschalten. Aber dann, wenn man nachts auf Toilette musste, weckte man den Partner auf, weil alle Lichter an der Decke angingen. Wenn man schläft und müde ist, ist das wie Scheinwerfer, die einen grell anstrahlen. Wir haben gesucht und gesucht, aber nichts gefunden.

Als wir am Cape Reinga waren, stand ein anderer JUCY auf dem Parkplatz und wir fragten das Pärchen, das den Camper fuhr, über die Lichter im Innenraum. Wir erhielten die Antwort, dass das so ist und es nicht anders geht.

Insgeheim sagte ich mir, nein, da muss es eine Lösung geben. Ich drückte an den Lampen rum, aber nichts tat sich. Am Ende war ich auf dem richtigen Weg gewesen. Denn es gibt einen Weg! Durch einen kleinen Sensor an der Lampe an einer bestimmten Stelle kann man die Lichter entsprechend ausschalten.


Light problem solved
Getting hooked up
Life in a Camper Van
Getting hooked up

Life in a Camper Van

Kochen im Camper

Die ersten Tage ernährten wir uns von Sandwiches und Müsli. Es hat ein wenig gedauert bis ich mich an den Gasherd getraut habe, keine Ahnung warum.

Cooking in a Camper Van
Cooking in a Camper Van

Hier hatten wir keine Schwierigkeiten und es macht großen Spaß alles so kompakt um uns herum zu haben. Das ist wie eine Kochinsel, nur ohne Insel. Und man kann sich mit seinem Partner unterhalten während man schnippelt und kocht. Da ich aber keine großartige Köchin bin, musste ich mir erstmal einfallen lassen, was man so kochen kann. Wir haben nur einen Mini-Topf und eine kleine, nicht zu tiefe Pfanne. Aber man schafft alles. Und auch wenn die Grundlage aus Nudeln oder Reis besteht, kann man das Ganze mit Gemüse aufpeppeln und verschiedene Gerichte neu erfinden.

Denn Not macht erfinderisch, hahaha.

Camper Life dishes
Camper Life dishes

Die liebe Technik

Manche denken sich jetzt wahrscheinlich „Oh Mann, das ist doch logisch!“. Aber wir wußten es schlichtweg nicht.

Wir hatten Pita Brötchen zum Toasten gekauft.

Pita Brötchen und Hummus. Das klingt doch lecker und wie wir uns darauf freuten!

Aber der Toaster ging nicht. „Das kann doch nicht wahr sein!“ Ärgerlich drückte ich am Toaster rum, aber nichts tat sich.

Ein paar Tage später lernten wir, dass die Steckdosen nur funktionieren, wenn man angeschlossen ist an Strom.

Auch hatten wir eines Morgens auf einmal kein heißes Wasser mehr.  Oh je… ist etwas am Camper kaputt? Haben wir irgendwo Kabel abgezwickt und das ist der Grund? Nach einer eiskalten Dusche in zwei aufeinanderfolgenden Tagen – wir waren wieder auf einem Freedom Campground – nahmen wir Kontakt zu JUCY auf. Wir müssen an dieser Stelle sagen, wie toll der Service ist. Wir bekamen sofort eine Email zurück und hatten die Auflösung. Es gibt nur dann warmes bzw. heißes Wasser, wenn man mindestens eine halbe Stunde lang gefahren ist.

Und so hatten wir wieder etwas dazugelernt. Und warmes Wasser.

Our Camper with a view
Our Camper with a view

Die unangenehme Aufgabe

Die unangenehme Aufgabe kann sich jetzt wahrscheinlich jeder denken. Richtig. Die „Kassette“ ausleeren. Wir sind etwas zu früh in Neuseeland, das Wetter ist noch regnerisch, stürmisch, bisweilen richtig kalt. Gestern Nacht hatten wir sogar Frost und haben so gefroren wie noch nicht zuvor auf unserer Reise. So benutzen wir lieber unser WC im Camper als in der Dunkelheit ein Plumpsklo oder eine öffentliche Toilette aufzusuchen. So dass die Kassette an Board (=WC) alle zwei bis drei Tage geleert werden.

Das alte Wasser wird mit Hilfe eines Schlauches entsorgt. Der Anschluss dafür ist hinten beim Auspuff und mit einem Deckel geschlossen.

Dirty Work
Life in a Camper Van
Dirty Work
Life in a Camper Van

Für frisches Wasser ist ebenfalls ein Schlauch vorhanden. Übrigens: Hier in Neuseeland gibt es so ziemlich überall frisches Wasser, das man auch trinken kann.

Das hat alles sehr einfach funktioniert.

Tip: Wir benutzen die App Campermate, die uns zeigt, wo überall Dump Stations sind. Auch frisches Wasser, Tankstellen, etc. kann man hierüber finden. Diese App ist so hilfreich und unserer Meinung nach ein absolutes Muss.

A Dump Station
A Dump Station

Unsere Meinung:

Was uns besonders gut gefallen hat:

Der Camper ist lt. James einfach zu fahren. Der Camper ist zwar groß und wir hatten das noch nie zuvor, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Ein weiteres großes Plus ist die zügige Reaktion von JUCY, wenn es mal eine Frage gab. Die Antwort kommt prompt, was wir sehr zu schätzen wissen.

We love our Camper Life
We love our Camper Life

Wir lieben diese Art des Lebens und Reisens. Man hat alles dabei. Wir waren z.B. einmal in einem Waschsalon und haben kurzerhand im davor geparkten Camper (ihr Name ist übrigens Lorna) unseren Kaffee gekocht. So hatten wir Kaffee während wir auf unsere Wäsche gewartet haben.

Washing Day
Washing Day

Wir sind frei und so wunderbar unabhängig. Natürlich müssen wir schauen, wo wir mit Lorna über Nacht stehen dürfen. Oftmals kostet es auch was extra.

Das Bett ist gemütlich, die Küche groß genug. Das Leben in einem Camper ist auf jeden Fall einen Versuch wert!

JUCY loves the Campgrounds
JUCY loves the Campgrounds
Another beautiful Campground
Another beautiful Campground

Was uns nicht gefallen hat:

Es gibt nirgends Haken, wo man z.B. seine nassen Handtücher aufhängen kann. Alles trocknet bei dem Wetter dementsprechend langsam.

Im hinteren Bereich über der Heckklappe hätte man noch ein Netz anbringen können. Das ist ein verlorener Stauraum, den man sonst super nutzen könnte.

Auch wäre es schön gewesen, eine tiefere Pfanne zu haben und einen Wender für unsere Spiegeleier. Aber das sind nur Kleinigkeiten.

Daher:

Wenn wir hier unsere Weltkugeln vergeben würden, und wir würden eine Hotelbewertung abgeben, wären es tatsächlich 9,5 Weltkugeln von 10!

Für uns war es auf jeden Fall die absolut richtige Entscheidung!

9,5 globes
9,5 globes
YES to Camper Life
YES to Camper Life

This Post Has One Comment

  1. yasamis kadar oldum sizin hayatinizi 🙂

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