Unser Lockdown in Jervis Bay

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Als ich das erste Mal über Jervis Bay gelesen hatte, wusste ich nur, dass Jervis Bay ein beliebtes Urlaubsziel ist und dass ich die Strände dort sehen wollte, nicht aber, dass unser Lockdown in Jervis Bay sein würde. Ich hätte nie gedacht, dass wir uns genau dort für drei Monate im Lockdown befinden würden!

Was dann Schlag auf Schlag geschah, und was wir im Lockdown in Jervis Bay gemacht haben, möchte ich dir gern erzählen.

Unser Lockdown in Jervis Bay
Unser Lockdown in Jervis Bay

Ein Housesit in Jervis Bay

Jervis Bay ist mit schillernden Stränden und zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten gesegnet. Kein Wunder, dass die Gegend in und um Jervis Bay, so beliebt ist. In den Monaten Mai bis Oktober werden Walbeobachtungen angeboten. Shoalhaven hat die „100 Beach Challenge“, es gibt hier 100 Strände, wie der Name schon sagt, und einer ist schöner als der andere. Mehrere Nationalparks und der weißeste Strand der Welt (Hyams Beach) runden die Famosität der Gegend ab.

Shoalhaven 100 Beach Challenge
Shoalhaven 100 Beach Challenge

In Woollamia, nur 3 km von Huskisson in Jervis Bay entfernt hatte ich einen House Sit auf der House Sitting Website Happy House Sitters gefunden. Allerdings ging dieser für uns zwei Tage zu früh los und kam nicht in Frage. Ich markierte es als Favoriten, wir bewarben uns jedoch nicht.

Am nächsten Tag geschah etwas, das ich als Zeichen deutete. Die Tierbesitzerin hatte uns angeschrieben! Sie wollte uns für ihre Fellfamilie und ich sagte ohne zu zögern zu. Das bedeutete zwar etwas Stress, und dass wir den Sydney Zoo und die Blue Mountains nicht sehen konnten, aber ich wollte unbedingt nach Jervis Bay. Und ihre Hunde und Katzen sahen so süß aus, da war bei mir jegliche Vernunft eh schon ausgeschalten.

So kam es, dass wir unsere Pläne wieder umschmissen und im Affentempo vom New South Wales Golf Club in Sydney nach Jervis Bay fuhren, um pünktlich zum House Sit dort zu sein.

Die Rockband

Als wir in Jervis Bay ankamen, machten wir einen Stopp in Huskisson, was liebevoll Husky genannt wird, und hatten erstmal einen Kaffee.

Die Aussicht war so schön und wir freuten uns mega hier zu sein.

Huskisskon
Huskisson

Nach unserem Kaffee fuhren wir ein Stück, um einen geeigneten Platz für ein Nachmittagspäuschen zu finden. Am Huskisson Strand wurden wir fündig. Wir parkten Putu, öffneten die Hintertür, so dass wir einen schönen Blick auf das funkelnde Meer genießen konnten und lasen für eine Stunde.

Arrived in Huskisson
Arrived in Huskisson

Danach ging es nach Woollamia, um „Bear, Marley, Groovy, Harry and the Fish“ kennenzulernen.

Für uns klang das wie der Name einer Rockband und wir machten uns fröhlich und lachend auf, um die Stars zu treffen. Es war ein sonniger und guter Tag.

Der Stein kommt ins Rollen

Als wir ankamen wurden wir von der Hauseigentümerin sehr herzlich begrüßt und sie schenkte uns erstmal ein Gläschen Wein ein. Wir aßen zusammen zu Abend und hatten alle der Rockband bereits in unsere Herzen geschlossen.

Dann kam ein Anruf…

An ihrem Gesicht konnten wir erahnen, dass etwas nicht stimmte. Wir erfuhren, was passiert war.

Ihr Flug war gecancelt. Das Coronavirus, das nun immer öfter in den Nachrichten war, machte keinen Halt und die Lage verschlimmerte sich zusehends. Auf der ganzen Welt und jetzt auch in Australien.

Sie beschloss dennoch zu gehen und machte sich am nächsten Tag in ihrem Campervan auf, um ihre Freunde zu besuchen. Wir verbrachten eine Woche mit der Rockband und sahen besorgt in den Nachrichten, dass täglich mehr und mehr Einschränkungen gemacht wurden. Bald wussten wir, dass das Reisen wie wir es bisher kannten, nicht mehr möglich war.

Besorgt überlegten wir, was wir machen sollten. Und beschlossen die Eigentümerin via Anruf zu fragen, ob sie die andere Hälfte ihres Hauses, das leer stand, an uns vermieten wollen würde. Sie sagte ja, und wir zogen am Tag ihrer Rückkunft in unsere neue Wohnung.

Völliger Lockdown

Nonstop war das Virus in den Nachrichten, täglich hörten wir wie viele Menschen auf der ganzen Welt starben und dass so schnell kein Impfstoff gefunden werden würde. In Australien war das Leben im Campervan verboten worden, und die Campingplätze mussten alle schließen. Nur Arztbesuche und Lebensmittelkäufe waren noch gestattet. Wir waren verängstigt. Was sollten wir machen? Zurück nach Deutschland? Wo die Coronakrise noch heftiger war? Und dann meine Eltern in Gefahr bringen? Das kam nicht in Frage.

Wie lang unser Lockdown dauern würde, war uns damals noch nicht bewußt. Aber wir beschlossen vorerst in Australien zu bleiben. Und waren mehr als glücklich, ein preisgünstiges Appartement gefunden zu haben.

Unser neues Zuhause

Am ersten Tag wurde erstmal gereinigt und geputzt, was das Zeug hielt. Der „Umzug“ an sich ging schnell. Unsere neue Vermieterin hatte uns zwei Stühle, einen superschönen Retro-Kühlschrank, eine dicke Decke und eine Luftmatratze geliehen. Dann kam noch unser Campertisch, unsere Kleidung, Küchenutensilien und der Inhalt unseres Campervan-Kühlschranks in die Wohnung. Wir hatten somit alles, was wir brauchten. Hallo Minimalismus!

Auch, wenn die Wohnung sehr karg wirkte-wir waren glücklich ein Dach über dem Kopf zu haben.

Nachdem alles verräumt war, machten wir eine to do Liste.

Our Lockdown Plan
Our Lockdown Plan

Jetzt hatten wir Zeit, an unseren Blogs zu schreiben, Fotos zu speichern und Spanisch zu lernen. Unsere Liste wurde immer länger und wir freuten uns darüber. Unsere Tage starteten wir über YouTube mit Yoga mit meiner alten Pilates Lehrerin Hannah aus Nürnberg.

Dann gingen wir mit Bear und Marley Gassi und schmusten eine Runde. Gassi gehen war erlaubt, was wir definitiv ausnutzten. Die Tage kamen und gingen und bald fühlten wir uns als würden wir wahnsinnig werden. Huch! Es waren gerade mal drei Tage vergangen!

Toilettenpapier Wahnsinn

Du hast bestimmt auch ungläubig den Kopf geschüttelt… warum kauften jetzt alle wie die Bekloppten Toilettenpapier?? Wir verstehen es bis heute nicht. Nur, dass wir keines mehr hatten. Unsere (jetzt) Vermieterin gab uns eine Rolle, aber wir mussten bald was finden. Ganze zwei Wochen hat es dann gedauert bis wir vier Rollen kaufen konnten. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal das Toilettenpapier abzählen muss, damit es lange reicht. Oh weh!

Mission TP
Success
Success

Bear und Marley

So wie einkaufen gehen als lebensnotwendig eingestuft war, so fielen auch „Leibesübungen“ unter diesen Punkt.

Was genau alles darunter fiel? Zum Beispiel Gassi gehen. Wir fingen nach ein paar Wochen an regelmäßig mit Bear und Marley zum Hyams Beach zu fahren. Hyams Beach soll nicht nur den weißesten Strand auf der Welt haben, sondern lädt auch zum Schwimmen und Schnorcheln ein. Und wenn man die ganze Bucht abläuft hat man schon fast 10.000 Schritte gemacht. Unsere Süßen, Bear und Marley, freuten sich auf jeden Fall genauso wie wir am Hyams Beach zu sein. Und wir hatten wunderschöne Momente zusammen am Strand.

Täglich gingen wir gemeinsam laufen und genossen den menschenleeren Strand. Nur an den Wochenenden blieben wir in unserer Gegend, um eventuelle Menschenansammlungen zu meiden.

Währenddessen hatte sich Husky in eine Geisterstadt verwandelt. Alle Geschäfte waren zu und die Straßen leer.

In dieser Zeit genossen wir es sehr, in Bear und Marley, wahre Freunde gefunden zu haben.

Meine Glücksmomente waren, wenn Marley uns bei diesen morgendlichen Spaziergängen mit einem bezaubernden Lächeln und dabei hechelnd, anschaute. Ich liebte diesen Blick von ihr.

Die Angst vor der Ungewißheit

Nach ein paar Wochen beschlossen wir unsere eigene Luftmatratze zu kaufen. Kurzzeitig hatte ich sogar überlegt, ob wir nicht in eine richtige Matratze investieren sollten. Aber diese waren so teuer und wir hatten immer noch die Hoffnung, dass wir bald wieder reisen konnten.

Unsere Vermieterin hatte uns gesagt, dass wir so lang bleiben können, wie wir wollten und wir bedankten uns für ihre Großzügigkeit.

Wir hatten auch ihren Freund kennengelernt, der uns beim Bau unseres ersten Regales half. Und die karge Wohnung somit etwas heimeliger machte. Denn auch, wenn wir Hoffnung auf eine baldige Reise hatten, insgeheim wussten wir, dass es noch dauern würde, bis wir wieder lauthals „On the Road again“ singen konnten. Und es auch wirklich waren.

Our first self made shelf
Our first self made shelf

Der Freund unserer Vermieterin, hielt dann noch eine Überraschung für uns bereit: er hatte ein Bett mit Matratze, das er uns lieh.

In dieser Zeit schauten wir jeden Abend vor dem Schlafen Nachrichten. Im Fernseher (JA, wir hatten einen Fernseher im Schlafzimmer!) lief gefühlte 24 Stunden lang täglich nichts anderes als Coronavirus.  Abgeschieden von der Welt in Woollamia, war es nicht wirklich das Beste für die Psyche, was wir machen konnten. Und dann auch noch vor dem Schlafengehen. Aber wir wollten auf dem neuesten Stand sein und natürlich auch wissen und sehen, was auch außerhalb Australiens geschah.

Ich denke, dass das Schlimmste für uns die Tatsache war, dass wir nicht wussten, was wann kommen würde. Und wie es weitergehen würde. Die Ungewissheit plagte uns.

Ein bißchen Angst

Wir hatten Angst. Angst anderen Menschen zu nahe zu kommen. Angst, dass wir noch lang in der Wohnung bleiben mussten. Und Angst, dass das Reisen nie wieder so sein würde, wie es mal war. Wir hassten es, dass wir nicht selbst entscheiden konnten, wann und wohin es uns als nächstes verschlagen würde. Und wir hassten es, dass wir uns eingestehen mussten, dass unsere Idee im August spätestens zurück in Deutschland zu sein, Vergangenheitsträume waren.

Ein Supermarktbesuch hatte sich für uns mittlerweile zum Albtraum entwickelt. Ich hasste es, wenn wir einkaufen gehen mussten. Es schien als würde jeder husten und uns einfach viel zu nahekommen. Die Nachrichten und Geschehnisse forderten ihren Tribut. Ich fühlte mich jedes Mal nach einem Supermarktbesuch krank. Meine Haut an den Händen hatte Risse vom vielen Waschen und mein Desinfektionsmittelverbrauch war raketenschnell in die Höhe geschossen.

Auch jetzt habe ich kein Verständnis für Menschen, die stur einem die Hand entgegenstrecken und den banalen Satz „Ich habe kein Coronavirus.“ bringen. Sie bringen uns in eine schwierige Situation und sehen nicht, dass wir einfach keinen Körperkontakt haben möchten.

Die positive Seiten

Während auf der Welt die Menschen wie Fliegen starben, unsere Sorge um unsere Familien wuchs, und die Ungewißheit uns nach wie vor plagte, versuchten wir die positive Seite zu sehen.

Es schien als wäre die Luftverschmutzung in den Zeiten des Lockdowns zurückgegangen. Wir sahen Bilder vom Tadj Mahal und der Großen Chinesischen Mauer vor klarem, blauem Himmel. Auch hörten wir, dass Delfine im Bosporus gesichtet worden waren und das Wasser in Venedig so klar wie Kristall wäre.

Während Bären im verlassenen Yosemite National Park frohlockten, wurdenwir selbst Zeugen, wie kräftig und wundervoll die Natur ist. Bei einem unserer Spaziergänge am Hyams Beach sahen wir Delfine. Das Wasser funkelte glasklar in sämtlichen vorstellbaren Blauvariationen und die Luft schien so sauber, dass ich nicht genug davon bekam. Es schmeckte mir zu atmen und ich wäre am Liebsten Tag und Nacht am Strand geblieben.

Beautiful Hyams Beach
Beautiful Hyams Beach

Was wir Menschen zerstören, ist unser größter Schatz! Auch, wenn es hart klingt. Aber seitdem die Menschen „weggesperrt“ waren, hatte die Natur für sich selbst gesorgt. Und die Erde die Möglichkeit gehabt aufzuatmen. Und das war das Beste in dieser Zeit.

Gedanke: Was wäre, wenn die Weltbevölkerung, sagen wir alle drei Monate, einen Lockdown für einen Monat hätte? Keine Autos. Keine Verschmutzung. Kein Tourismus. Würde das unserer Umwelt helfen? Was wäre, wenn wir die Zeit hätten, uns mit den wichtigen Dingen im Leben zu beschäftigen? Füreinander da zu sein und gemeinsam als Familie einem Hobby nachzugehen, nachzudenken und zu lernen, die kleinen Dinge wertzuschätzen?

White Sands Walk

So gingen die Tage ins Land. Nach ein paar Wochen beschlossen wir, den White Sands Walk zu laufen. Wir fuhren nach Husky und parkten nahe des Greenfield Beach.

Us at the White Sands Walk
Us at the White Sands Walk

Der White Sands Walk ist ein wunderschöner Spaziergang und führt durch Wälder zu Nelsons Beach, Blenheim Beach, Greenfield Beach, Chinamans Beach und Hyams Beach. Nachdem wir sonst immer am Hyams Beach sind, genossen wir an diesem Tag die anderen Strände.

White Sands Walk
White Sands Walk
Chinamans Beach
Chinamans Beach

Tip: wenn ihr in Huskisson seid, macht unbedingt diesen einfachen, aber wunderschönen und pittoresken Spaziergang.

Ella kommt in unser Leben

Puppy Ella
Puppy Ella

In der ersten Woche unseres House Sits hatten wir ein Cockerspaniel Baby auf dem Balkon eines Nachbarn gesehen. Sie war mir sofort aufgefallen. Mittlerweile waren zwei Monate vergangen und ich nahm mir ein Herz und fragte unsere Vermieterin, ob sie die Besitzer des schwarzen Cockerspaniels zufällig kannte. Nicht nur, dass sie sie kannte, sie waren best friends! Wir baten sie, für uns zu fragen, ob wir das Cockerbaby Gassi führen könnten.

Ella
Ella

Und wir durften! Seitdem besuchten wir Ella jeden Tag.

Bei unserer ersten Begegnung war Ella so aufgeregt, dass sie uns vollpinkelte. Das ließ erst nach ein paar Tagen nach. Voller Energie, liebenswert, wunderschön und tolpatschig, eroberte sie unsere Herzen im Sturm.

First Walks with Puppy Ella
First Walks with Puppy Ella

Unsere ersten Spaziergänge mit ihr waren sehr anstrengend, aber sie ist ein kluges Mädchen, und lernte sehr schnell, den Befehl „Sitz!“. Auch wenn ihre Energie nie endend schien und wir nach unseren Treffen selbst erstmal eine Ruhepause benötigten, ich wollte die Momente mit ihr nicht mehr missen.

Ella watching ducks in the pond
Ella watching ducks in the pond
Learning to sit
Learning to sit
What is that
What is that
Ella exploring the World
Mangrove Walk with Ella
Mangrove Walk with Ella
Ella exploring Husky
Ella exploring Husky

Eine Veränderung

Mittlerweile gab es auch wieder Toilettenpapier, Lieferservices waren wieder im Einsatz und auch Restaurants boten Take-aways an.

Mit Bear und Marley gingen wir immer noch, soweit möglich, Gassi, allerdings nicht mehr so häufig wie zuvor.

Rückblickend denke ich, dass es auch etwas Selbstschutz von mir war. Ich musste Abstand zu Marley gewinnen. Ich liebte sie so sehr und wusste, dass der Abschied mehr als hart werden würde.

Bear und Marley haben uns in einer schwierigen Zeit begleitet. Wir waren glücklich treue Freunde in ihnen gefunden zu haben. Sie gaben uns so viel Liebe, dass die ganzen schrecklichen Geschehnisse der Welt so weit weg schienen! Auch, wenn wir im letzten Monat nicht so viel mit ihnen spielen und knuddeln konnten, wie wir gern gewollt hätten. Sie werden immer einen großen Teil unseres Herzens einnehmen. Wir vermissen sie jeden Tag.

Mehr Ella Zeit

Dafür hatten wir mehr Zeit für Ella und verbrachten nun mehrere Stunden am Tag mit ihr.

Ella and James at Hyams Beach
Ella and James at Hyams Beach
We love Hyams Beach
We love Hyams Beach
Ella went the first time into the Water
Ella went the first time into the Water
Fun at the Beach
Fun at the Beach
Another Day at Hyams Beach
Another Day at Hyams Beach

Sie dankte es uns mit Küssen und treuen Blicken. Mit sieben Monaten war sie so putzig und meine Mutterinstinkte gefährlichst geweckt. Ich war hoffnungslos verliebt in sie.

Getting kisses
Getting kisses
Best times
Best times

Als ihre Mama scherzte „Nehmt sie mit euch in eurem Campervan, dann sieht sie Australien.“, hätte ich Ella am liebsten sofort gepackt und mitgenommen. Stattdessen reist ihr Foto, das ich über den Beifahrersitz geklebt habe, nun mit mir.

Ella never wanted to leave Putu
Ella never wanted to leave Putu

Unnötig zu sagen, dass mir unser Abschied mein Herz brach.

Ella and me
Ella and me
Pretty Ella
Pretty Ella

Aber erst Kaffee

Am 01.06.20 war es dann soweit! Man durfte im Bundesland New South Wales wieder reisen. Die Campingplätze machten allmählich wieder auf und es kam eine Art Normalität zurück. Natürlich gab es nach wie vor Regeln bezüglich der Sicherheitsmaßnahmen für COVID-19.

Wir hatten beschlossen nicht sofort wieder zu reisen, weil wir immer noch ängstlich waren und schauen wollten, ob eine zweite Welle kommen würde. Aber wir wollten einen Kaffee trinken gehen!

Unseren ersten Café Besuch hatten wir mit Ella im Schlepptau. Wir konnten es nicht glauben, wie normal ein Café Besuch noch vor drei Monaten gewesen war. Nie hätten wir uns vorstellen können, dass Kaffee trinken in einem Café einmal nicht möglich sein würde. Allerdings hatten sich die Dinge geändert. Man musste sich in eine Liste eintragen und seinen Namen, E-Mail-Adresse und Telefonnummer hinterlassen. Die Tische in den Cafés waren limitiert und standen in großen Abständen zueinander. Jedes Geschäft hatte nun Desinfektionsmittel, das man beim Betreten benutzen musste. Das neue „normal“ fühlte sich für uns nicht sehr normal an. Aber der Kaffee schmeckte uns sehr gut!

Coffe Shops are open again
Coffe Shops are open again

Reisepläne

Wir fingen an Reisepläne zu schmieden, wohin wir als erstes reisen würden.

Wir hatten für August und September in Rosebud und Phillip Island zwei unglaublich gute House Sits ergattern können. Unser Plan: erst das Hinterland von New South Wales zu bereisen und dann die Ostküste zurück nach Melbourne zu nehmen. Und alle Golfplätze in Melbourne zu bespielen, die wir während des Presidents Cup nicht bespielen konnten.

Leider waren in unseren letzten Wochen in Jervis Bay der Boderee Nationalpark, den wir so gern gesehen hätten, immer noch geschlossen. Während unseres Lockdowns haben wir nur Huskisson, Vincentia und diverse andere nah gelegene Strände wie Seven Mile Beach, Currarong Beach, Shark Net Beach, Huskisson Beach, Moona Moona Beach und Collingwood Beach gesehen.

Gerringong and Seven Mile Beach
Gerringong and Seven Mile Beach
At Seven Mile Beach
At Seven Mile Beach
Shark Net Beach
Shark Net Beach
Huskisson Beach
Huskisson Beach
Chinamans Beach
Chinamans Beach

Bevor es aber ins Hinterland ging, unternahmen wir noch einen Tagesausflug ins Kangaroo Valley.

Putu in Kangaroo Valley
Putu in Kangaroo Valley
Kangaroo Valley
Kangaroo Valley

Den nahgelegenen Fitzroy Wasserfall haben wir an dem Tag nicht sehen können, da dieser leider bis nach unserer Abreise geschlossen war.

Wir gehen Golfen

Nach langer Zeit wurde dann endlich auch Golf wieder als „essentiel“ angesehen und wir fuhren zum Golfen zum Gerringong Golf Club. Bei der Gelegenheit ließen wir uns auch den Seven Mile Beach, der nur Minuten von Gerringong entfernt lag, nicht entgehen.

7 Mile Beach by Gerringong
7 Mile Beach by Gerringong

So sehr wir Hyams Beach lieben, es war schön, etwas anderes zu sehen. Wir sogen jede Sekunde in uns auf, beobachteten Seemöwen und die glücklichen Hunde, die uns entgegenkamen. Wir sahen sogar ein Pferd am Strand.

Horse at Seven Mile Beach
Horse at Seven Mile Beach

Nach Gerringong ging es zum Mollymook Golf Club, den ich besonders genossen habe. Nicht nur, weil dieser Golf Club an einem kleinen süßen Beachtown lag, sondern auch, weil Ella uns an diesem Tag begleitete.

Golfdog at Mollymook Golf Club
Golfdog at Mollymook Golf Club
Best friends at Mollymook Golf Club
Best friends at Mollymook Golf Club

Raus aus dem Lockdown

Am Ende waren wir froh, als wir am 20.06.20 endlich die kalte Wohnung verließen und unsere Reise und die Abenteuer, die wir tagtäglich vermissten, fortführten.

Wir hätten drei Wochen früher starten können, was wir vielleicht hätten machen sollen. Aber die Extra-Zeit gab uns die Möglichkeit zu überlegen, wie es weitergeht. Neben der großen Angst krank zu werden, war eines der schlimmsten Sachen während des Lockdowns für uns, nicht entscheiden zu können, wann und wohin wir als nächstes reisen konnten. Ein Stück Freiheit, dessen wir durch den tödlichen Virus beraubt worden waren. Wir hatten Schwierigkeiten damit fertig zu werden, dass wir nicht mehr selbst entscheiden konnten, was wir wann und wie machen. An manchen Tagen war es schlimmer, an manchen nicht.

Und wenn ich heute, während ich hier sitze und unsere Zeit im Lockdown niederschreibe, zurückblicke, muss ich sagen: es war das Richtige abzuwarten!

Victoria ist mittlerweile im absoluten Lockdown, im „state of disaster“. Keiner darf ausreisen. Es wurde sogar ein Ausgehverbot erteilt. Die Zahl der Infektionen und Toten steigt täglich. Die zwei House Sits in Rosebud und Phillip Island haben wir abgesagt. Hätten wir nicht diese drei Wochen extra gewartet, wären wir jetzt mittendrin!

Stattdessen haben wir uns für Queensland entschieden, wo in zwei Tagen die Grenzen zu New South Wales wieder geschlossen werden.

Mutter Erde

Man sagt, alles hat einen Sinn. Auch, wenn wir keinen Sinn hinter diesem Virus sehen.

Wir trösten uns damit, dass wenigstens die Erde für einige Zeit aufatmen und zur Ruhe kommen konnte.

Etwas, das wir immer sagen, ist, dass wir alles, was das Reisen mit sich bringt, sehr schätzen. Die Natur, die verschiedenen Kulturen und dass wir mehr als glücklich sind, all das erleben zu dürfen. Der Lockdown hat uns noch einmal mehr gezeigt, wie wertvoll Leben ist. Und dass wir nur diesen einen Planeten haben, den wir behüten müssen. Wir hoffen, dass der Lockdown dahingehend bei den Menschen etwas ausgelöst hat. Nämlich das Bewusstsein, dass es in unseren Händen liegt, diesen Schatz zu schützen und zu bewahren. Wir haben nur diese eine Erde. Mit all seinen Schönheiten, seinen Tieren und Pflanzen.

Abschließend

Abschließend muss ich zugeben, dass ich mich sehr schwergetan habe, über unseren Lockdown in Jervis Bay zu schreiben. Die Angst, die damals in uns steckte, habe ich nicht wirklich in Worte fassen können. Die Angst, dass unseren Familien was passieren könnte oder die Angst, dass wir uns anstecken könnten. Und die Angst, dass wir unseren neuen kleinen Neffen niemals in den Armen halten können.

Ich habe jeden Tag aufs Neue versucht, einfach alles auszublenden und nur die schönen Dinge zu sehen. Das Lächeln von Marley, die Augen von Ella, das Glitzernd des Ozeans, wenn die Sonne auf das Wasser trifft. James und ich haben uns täglich gegenseitig Mut gemacht. Dass alles gut wird, weil es einfach so bestimmt ist. Und dass es jetzt etwas länger dauern wird bis wir unsere Familien wiedersehen, aber das Wichtigste ist, dass alle gesund sind.

Ich zucke immer noch zusammen, wenn uns jemand zu nahekommt. Ich hoffe, das wird irgendwann vorübergehen.

Our Lockdown in Jervis Bay
Our Lockdown in Jervis Bay

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